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Jetzt wird’s bunt: Farbfernsehen feiert 40. Geburtstag
Was heute eine Selbstverständlichkeit ist, galt vor 40 Jahren als technische Revolution: Das deutsche Fernsehen wurde bunt. Seit Einführung des Farbfernsehens hat sich viel getan – nicht nur die TV-Landschaft wandelte sich und bekam Zuwachs durch etliche neue Privatsender; auch wanderten noch nie so zahlreiche Fernseher über den Ladentisch wie heute. Zu verdanken ist dies zum großen Teil der neuen Farbpalette - denn mit dem Sprung ins PAL-System gewann das Fernsehen zunehmend an Popularität.

Kaum zu glauben: Nur um die 6.000 deutsche Fernsehgeräte waren eingeschaltet, als Willy Brandt 1967 mit einem feierlichen Knopfdruck Farbe in die TV-Welt brachte – diese Zahl entspricht heute der Fernsehdichte eines größeren Dorfes.

Zwar warnten Skeptiker vor dramatischen Schäden, welche die bunten bewegten Bilder bei den Menschen auslösen könnten, aber auch noch so sorgenvoll unkende Stimmen konnten die Erfolgsgeschichte des Farbfernsehens nicht aufhalten. Zunächst wurden nur auserwählte Sendungen in Farbe ausgestrahlt – vorneweg französische und US-Formate; schließlich hatte sich der Fernsehgenuss in Amerika bereits in den 1950er Jahren flächendeckend eingefärbt.

Nachrichtensendungen wie die Tagesschau oder Übertragungen aus dem Bundestag blieben bis 1970 schwarz-weiß, zumal die monochrome Farbgestaltung in den Köpfen der Fernsehmacher automatisch mit Seriosität verknüpft war – ähnlich wie bei den regionalen Tageszeitungen, die erst seit den 90er Jahren auf Farbbilder umstiegen.

Der Showmaster Vico Torriani hatte die Ehre, als erster Fernsehstar seine Sendung „Der Goldene Schuss“ in Farbe zu präsentieren. Doch noch gab man sich allgemein sehr farbscheu und setzte auf Pastelltöne und gedeckte Kleidung. Knallfarben waren ebenso verpönt wie zu starke Kontraste – sie wirkten zu schrill und aufregend auf die schwarz-weiß-gewöhnten Zuschauer und Fernsehmacher.

Vor allem durch dem Einzug des Privatfernsehens in den 1980ern, der Etablierung der Musiksender VIVA oder MTV und spätestens mit dem Boom der betont farbverwöhnten Daily Soaps verschwand die Scheu vor modischen Experimenten.

Im Gegenzug bekam Schwarz-Weiß einen neuen Stellenwert: Prominente Musikstars wie Madonna, George Michael oder Robbie Williams drehten einige ihrer Videos komplett farbfrei. Überdies setzen Filmemacher den Schwarz-Weiß-Duktus gerne als künstlerische Stilform für Erinnerungsmomente oder Rückblenden ein. Das Schwarz-Weiß-Fernsehen hat also seinen verstaubten, altbackenen Charme verloren und ungeahnten Kult-Status erlangt.

Gleichzeitig arbeiten Techniker und Wissenschaftler rund um die Welt an weiteren Möglichkeiten, die Fernsehfarbigkeit noch brillanter und reiner zu gestalten. Die Hersteller der Fernsehgeräte wetteifern mit ihren neuartigen Flachbildschirmmodellen um reinere High-Definition-Qualität und locken ihre Kunden mit Farbspielen, die intensiver strahlen sollen als die echte Welt „da draußen“.

Damit hat die TV-Welt endgültig den Status einer zweiten, besseren und bunteren Wirklichkeit erlangt, deren tiefgraue Schattenseiten Soziologen und Psychologen in Atem halten: Immer mehr Jugendliche verwechseln Fernsehsendungen mit der Realität, bewegen sich zu wenig, entwickeln Abhängigkeitsstrukturen und leiden unter einer verkümmernden Fantasie. Dem Farbrausch zum Trotze sollte also auch beim Fernsehen auf ein gesundes Maß geachtet werden.

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